Wer in einer Altbauwohnung lebt, kennt das oft zur Genüge: Der Router steht im Flur, das Schlafzimmer liegt zwei Zimmer weiter – und trotzdem ist das WLAN dort kaum zu gebrauchen. Nicht weil der Router schlecht ist. Nicht weil das Netz überlastet wäre. Sondern weil zwischen Router und Gerät Wände stehen, die vor hundert Jahren gebaut wurden und an WLAN natürlich nicht gedacht haben.
Das ist keine Klage, eher eine nüchterne Bestandsaufnahme. Altbau und stabiles WLAN vertragen sich strukturell nicht besonders gut. Warum das so ist – und was man dennoch tun kann – lässt sich aber recht klar erklären.
Was WLAN-Signale wirklich bremst
Ein WLAN-Signal ist eine elektromagnetische Welle. Sie breitet sich im freien Raum gut aus, verliert aber Energie, sobald sie auf Hindernisse trifft. Wie viel Energie sie verliert, hängt vom Material ab.
Gipskarton – kaum Verlust. Holz – wenig Verlust. Ziegel – spürbar. Beton, besonders armierter Stahlbeton – erheblich. Und im Altbau trifft man auf alles davon, manchmal in einer einzigen Wand.
Gründerzeitgebäude haben häufig Mauerstärken von 40 bis 60 Zentimetern. Manche Innenwände sind massiv gemauert, keine leichten Trennwände. Dazu kommen Decken mit Betonkonstruktionen, Stahlträger in den Wänden oder alte Heizkörpernischen mit Metallverkleidung – alles Dinge, die das WLAN-Signal abschwächen oder reflektieren.
Das 5-GHz-Band kommt dabei besonders schlecht durch. Es hat zwar weniger Interferenzen durch Nachbarnetzwerke, verliert an massiven Wänden aber deutlich mehr Reichweite als 2,4 GHz. Im Altbau schlägt sich 2,4 GHz deshalb oft besser – auch wenn es an sich das anfälligere Band ist.
Die typische Altbau-Situation
Der Router steht beim Einzug meistens dort, wo das Telefonkabel liegt – in der Diele oder im Flur. Das ist für die Signalverteilung im Worst-Case-Szenario, weil das Signal von dort aus in alle Zimmer muss und dabei durch Tür- und Wandöffnungen gelenkt wird, statt freien Weg zu haben.
Wer das Pech hat, mit dem Arbeitsplatz oder dem Schlafzimmer am Ende eines langen Flurs zu wohnen, mit zwei oder drei Wänden dazwischen, merkt das unmittelbar. Das Signal kommt noch an, reicht für ein paar Seiten im Browser – aber sobald es anspruchsvoller wird, fängt es an zu ruckeln oder bricht ab.
Was wirklich hilft – und was nicht
Ein normaler WLAN-Repeater ist im Altbau oft keine gute Wahl. Er verstärkt das Signal, das er empfängt – und wenn er an einem Punkt platziert wird, an dem das Signal schon schwach ist, sendet er selbst ein schwaches, instabiles Netz weiter. Außerdem halbieren viele Repeater die Bandbreite, weil sie auf demselben Kanal senden und empfangen müssen.
Ein Mesh-System ist die sauberere Lösung. Mehrere Knoten verteilen das Netz über die Wohnung, kommunizieren intelligent miteinander und erzeugen eine einheitliche Abdeckung, ohne dass man manuell zwischen Netzwerken wechseln muss. Im Altbau macht das einen spürbaren Unterschied.
Noch zuverlässiger – und im Altbau oft unterschätzt – ist der Powerline-Adapter. Dabei wird das Netzwerksignal über die vorhandene Stromleitung übertragen. Stecker rein, fertig. In gut verdrahteten Altbauten funktioniert das überraschend stabil. Der Unterschied zum Repeater: Das Signal muss keine Betonwände mehr durchdringen, sondern fließt durch das Stromnetz.
Eine Sache, die viele unterschätzen
Ein Punkt, der in den meisten Ratgebern fehlt: Im Altbau kann die Position des Routers innerhalb eines Raums bereits einen erheblichen Unterschied machen. Ein Router, der in einer Nische steht oder hinter einem massiven Möbelstück verborgen ist, sendet sein Signal in eine Ecke statt in die Wohnung. Manchmal reicht es schon, den Router ein paar Meter zu verschieben – in Richtung der Zimmer, die versorgt werden sollen – um die Situation deutlich zu verbessern, ohne neue Hardware zu kaufen.
Klingt trivial. Wird aber erstaunlich selten probiert.
